Mit umfangreichen Streifenversuchen Praxistauglichkeit prüfen
Wenn es um Bodenbearbeitung und Aussaat geht, fallen schnell Schlagworte wie Schlagkraft, Dieseleinsparung und Arbeitsqualität. Pflugsaat, Mulchsaat und Direktsaat werden in der Praxis breit eingesetzt und bieten jeweils ihre Vorteile, aber auch manche Nachteile. Das neue System Stripe-Tillage steht derzeit im Fokus, denn es bietet die Möglichkeit, die Vorteile der einzelnen Verfahren miteinander zu verbinden. Die AGRAVIS Raiffeisen AG testet in verschiedenen Versuchen die Praxistauglichkeit.
Ob Pflugsaat, Mulchsaat oder Direktsaat – jedes Verfahren hat positive, aber auch negative Seiten. Ziel ist es, möglichst viele Vorteile der einzelnen Verfahren zu verbinden, ohne zu viele Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Das in Deutschland noch relativ neue System Stripe-Tillage (Streifenbearbeitung) könnte eine Lösung für diese Herausforderung sein. In Mecklenburg-Vorpommern haben die Experten der AGRAVIS-Pflanzenbau- Beratung Rapsbestände gesehen, die nach diesem System angebaut worden sind. Bei dem Verfahren wird nur der Streifen unter der Saatreihe tief gelockert. Für die Pflanzenbau-Experten stellte sich die Frage, wo die Grenzen von diesem Verfahren liegen und wie das System auf nicht schüttfähigen oder tonigen Böden funktioniert. Um die Möglichkeiten, Vorund Nachteile des Stripe-Tillage-Verfahrens kennenzulernen, hat die AGRAVIS in diesem Jahr Versuche in der Region Hannover angelegt. Folgende Erwartungen werden aufgrund der Vorgehensweise an das System gestellt:
Die angelegten Streifenversuche sollen zeigen, ob sich die Erwartungen erfüllen und welche Probleme auftauchen können. In den Kulturen Winterraps, Zuckerrübe und Silomais werden hauptsächlich Stripe- Tillage und Mulchsaat sowie verschiedene Unterfußdünger verglichen. Aber auch Applikationszeitpunkt und Platzierung der Unterfußdünger sind Bestandteile der Versuche.
Rascher Feldaufgang
Die wichtigste Aussage, welchen Ertrag die Ernte bringt, liegt noch nicht vor. Dennoch können bereits vor der Ernte stichhaltige Erfahrungen und Boniturergebnisse zusammengetragen werden. Bereits bei der Aussaat bestätigten sich die erwartete hohe Schlagkraft und der geringe Dieselverbrauch. Beim Raps konnte durch die Einzelkornablage im Stripe-Tillage-Verfahren ein sehr gleichmäßiger und rascher Feldaufgang bonitiert werden. Die anschließende zügige Jugendentwicklung förderte die Ausprägung einer guten Winterhärte. Bei der Mulchsaatvariante lief der Raps eher verzögert auf und führte dadurch zu einem weniger homogenen Bestandesbild. Termine für Pflanzenschutz- und Düngemaßnahmen können demnach in der Einzelkornsaat präziser gesetzt werden. Weiterhin konnte in den Mulchsaatvarianten das Auf laufen von Altraps festgestellt werden, da die gesamte Fläche gelockert worden war. In den Stripe-Tillage-Varianten hingegen war kaum Auflaufraps zu bonitieren. Als sehr problematisch ist das Auftreten von Mäusen in der Streifenbearbeitung zu sehen. Hier wird der genannte Vorteil der teilweisen tiefen Lockerung des Bodens zum Nachteil. Die Gänge und Nester der Mäuse werden nicht ausreichend zerstört, so dass der Mäusebefall signifikant höher ist als in der Mulchsaat.
Bessere Wurzelausprägung
Das Ausgraben von einzelnen Rapspflanzen im November zeigte bei den Varianten mit Streifenlockerung eine bessere Ausprägung der Pfahlwurzel in die Tiefe. Anhand der Bildung von Feinwurzeln konnte die Lage und vor allem die Lockwirkung des Düngers sehr gut festgemacht werden. Blattanalysen kurz vor Vegetationsende unterstrichen die Unterschiede im Wurzelwachstum. Die Rapspflanzen aus den Stripe-Tillage- Varianten wiesen für die meisten Nährstoffe einen absolut höheren Gehalt aus als in der Mulchsaat. Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass der Raps in der Streifenlockerung durch sein besser ausgebildetes Wurzelwerk mehr Bodenraum erschließt und somit Wasser und Nährstoffe auch aus dem unteren Krumenbereich und somit in größeren Mengen aufnehmen kann. Gerade in Trockenphasen verspricht diese Entwicklung Vorteile. Als letzte Maßnahmen vor der Ernte werden Pflanzenproben gezogen und der Schotenansatz in den einzelnen Varianten bonitiert. Durch das Ernten der Parzellen im Kerndrusch wird abschließend das wichtigste Ergebnis, der Ertrag, geliefert. Die Zuckerrüben wurden Ende März ausgesät, der Silomais Ende April. Auch diese Versuchsflächen werden intensiv begleitet, um abschließend auftretende Unterschiede im Ernteergebnis sachlich und fachlich erklären zu können.
Details zum Stripe-Tillage-Verfahren erhalten Sie bei der Pflanzenbau-Beratung, Arne Klages, unter Tel. 015201 . 810283, und Christian Carl, Tel. 0172 . 5303459.
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