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"Geld nicht auf der Straße lassen"

Betrieb Täger-Farny mit neuester Technik

450 Hektar erfolgreich zu bewirtschaften, ist eine Herausforderung. Die Bedingungen rund um den Betrieb von Wolfgang Täger-Farny in Volkmarsdorf haben ihre Tücken – Niederschlagsmengen und Bodenstruktur weisen starke Schwankungen auf, einige Schläge sind klein und die Entfernungen groß. Deshalb sucht der Betriebsleiter stets Möglichkeiten der Arbeitserleichterung.

Der Betrieb von Wolfgang Täger-Farny liegt in Groß Twülpstedt, Ortsteil Volkmarsdorf, rund 20 Kilometer entfernt von Wolfsburg und der Autostadt. Nicht nur im Volkswagen- Werk wird der technische Fortschritt gelebt – auch auf dem Ackerbaubetrieb werden die Möglichkeiten, die modernste Technik bringt, voll ausgeschöpft. Seit rund 30 Jahren bewirtschaftet der Landwirt den Betrieb und hat von der ersten Stunde an viele technische Arbeitserleichterungen eingeführt und seine Flächen für Forschungsprojekte von Unternehmen zur Verfügung gestellt. Bei der Betriebsübernahme von seinem Vater 1981 waren es noch 50 Hektar, heute müssen 450 Hektar beackert werden. Angebaut werden Weizen, Zuckerrüben, Winterroggen, Raps und Gerste.

Viele Herausforderungen

Die Herausforderungen, die Täger-Farny und seine beiden Mitarbeiter dabei meistern müssen, sind vielfältig: Starke Schwankungen bei den Niederschlägen, eine schlechte Bodenstruktur, stark wechselnde Bodenarten, kleine Einzelschläge und Entfernungen bis zu 30 Kilometer im Radius um den Betrieb müssen bewältigt werden. „Um gute Erträge zu erzielen und die Logistikkosten möglichst niedrig zu halten, sind die Anforderungen an Management und Technik groß“, setzt Täger-Farny seine Schwerpunkte bei der Betriebsführung. „Wir müssen viele Faktoren bedenken, auch wenn sie noch so winzig scheinen, damit jedes Rädchen ins andere greift.“ Arbeitserleichterung, Effizienz und Vereinheitlichung der Abläufe hat der Betriebsleiter dabei stets im Blick. Beim Testen und Einführen neuer Technik ist Täger-Farny ein echter Pionier– ob auf dem Acker oder im Büro. Angefangen hat alles mit Testberichten über den Einsatz eines Mercedes Unimog auf dem Betrieb für eine Agrarzeitschrift in den 80er Jahren. 1989 kam das erste Forschungsprojekt zur „Einführung der Elektronik in die Außenwirtschaft“ dazu, bei dem die ersten Ansätze der teilflächenspezifischen Ausbringung von Dünger getestet wurden. Seitdem gehört die Teilnahme an Forschungsprojekten, Maschinentests und Feldversuchen auf dem Betrieb zum Alltag. Damit ist Täger-Farny immer auf dem neuesten Stand, welche Technik auf seinem Betrieb Sinn macht. Die Unternehmen erhalten im Gegenzug wichtige Hinweise und Optimierungsvorschläge aus der Praxis. „Früher haben die Großeltern den Dünger per Augenmaß nach Wachstum der Pflanzen verteilt, das reicht heute natürlich nicht mehr aus. Aber das Ziel war damals das gleiche wie heute: die bedarfsgerechte Düngung oder Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln.“ Heute ständen dafür allerdings ganz andere Hilfsmittel auf dem Betrieb zur Verfügung, angefangen bei den modernen Schleppern und Erntetechnik mit Bordrechnern, über die automatische Teilbreitenschaltung „Section Control“, mit der die 5.000-Liter Dammann-Pflanzenschutzspritze ausgestattet ist, bis hin zu den Amazone-Geräten, die eine differenzierte Behandlung und Bearbeitung ermöglichen.

Logistikkosten im Blick

Dennoch ersetzt die Technik nicht das Management, weiß der Betriebsleiter aus Erfahrung und erläutert. „In der Landwirtschaft allgemein und auch bei uns ist die Logistik ein wichtiges Thema, da die Wege zu einzelnen Schlägen recht weit sind und wir nicht unser Geld auf der Straße lassen wollen.“ Aufgrund der großen Streulage wird nicht mehr an jedem Standort alles angebaut. Vielmehr wird der Anbau der Fruchtarten passend zur Schlagkraft der Maschinen geplant. Die Schläge, auf denen beispielsweise Raps angebaut wird, liegen ortsbezogen so, dass sie immer in etwa der Flächenleistung einer vollen Spritze entsprechen, damit die Pflanzenschutzspritze keine Leerfahrten zurücklegen muss. Falls die 5.000 Liter nicht ausreichen, fährt ein Tankwagen mit. Bei der Getreide- und Zuckerrübenernte werden Überladewagen eingesetzt. Die Ernte wird dann größtenteils per Lkw direkt vor Ort abtransportiert, was günstiger und schneller ist. Um Effizienz geht es für Täger-Farny auch bei der pfluglosen Bodenbearbeitung, die er soweit es möglich ist umsetzt. So kommt der sechs-Schar-Volldrehpflug nur selten zum Einsatz, da durch die pfluglose Bodenbearbeitung Bodendruck und Erosion reduziert und Wasserleitfähigkeit erhöht werden. Die Erntemaschinen sind mit Raupenlaufwerk ausgestattet und tragen damit ebenfalls zur Bodenschonung bei. Beim Management ist Täger-Farny ebenfalls auf dem neuesten technischen Stand und hat schon früh die Vorteile des Computers genutzt. In den 80er Jahren hat sich der Landwirt schon eine eigene Ackerschlagkartei aufgebaut, um die Dokumentation der pflanzenbaulichen Maßnahmen zu erleichtern. 1998 hat der Landwirt die gesamten Abläufe des Betriebs innerhalb des QM-Systems 9.000 dokumentiert. „In erster Linie war das Ziel damals, jeden Ablauf einmal aufzuschreiben, damit bei einem Unfall oder längerer Krankheit meinerseits der Betrieb weitergeführt werden kann“, erläutert Täger-Farny die Idee. „Dies hatte aber auch weitere erfreuliche Effekte zur Folge: Durch die Beschäftigung mit einzelnen Schritten haben wir viele Abläufe optimiert.“ Heute hat der Betriebsleiter alle Daten, Dokumentationen, Buchhaltung und vieles mehr auf seinem Rechner festgehalten und kann mit Smartphone und Tablet-PC überall darauf zurückgreifen. Dennoch wird auch noch mit Zettel und Stift auf dem Betrieb gearbeitet. Jeden Morgen um 6.45 Uhr ist Arbeitsbesprechung und jeder Mitarbeiter erhält die Maßnahmen des Tages in Papierform. „Elektronik ist schön und gut, aber es muss ja auch pragmatisch sein“, findet Täger-Farny. „Mit allen für den Tag wichtigen Aufgaben auf dem Zettel können sich die Mitarbeiter auf die Umsetzung konzentrieren.“ Der Landwirt selbst ist mittlerweile seltener auf dem Acker unterwegs, da er sich auch außerhalb des Betriebes bei landwirtschaftlichen Themen engagiert: Schon seit vielen Jahren ist er in vielen Verbänden, Gremien und Ausschüssen aktiv, beispielsweise bei der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Dort gehört er dem Gesamtausschuss an und leitet den Fachausschuss Arbeitswirtschaft und Prozesssteuerung. Täger-Farny ist langjähriges Mitglied und mittlerweile Vorstand der Förderungs- und Beteiligungsgenossenschaft, einem Zusammenschluss von Aktionären der AGRAVIS Raiffeisen AG, um die Zusammenarbeit mit gestalten zu können. „Als Landwirt brauche ich kurze Wege zu meinem Marktpartner“, begründet der Landwirt die Aktivitäten. Seit vielen Jahren arbeitet er eng mit der AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH zusammen, ebenso wie mit der AGRAVIS Technik Südhannover/Braunschweig GmbH, der AGRAVIS-Pflanzenbau-Beratung und dem AGRAVIS-Mineralölzentrum Braunschweig.

Nähe zum Marktpartner

Neben der Leistungsstärke ist ihm vor allem die Nähe zu seinen Marktpartnern wichtig, gleichzeitig hat der Landwirt aber auch immer einen kritischen Blick auf die Zusammenarbeit und Optimierungsvorschläge: „Wir brauchen vernünftige Preise, sowohl beim Verkauf unseres Getreides als auch beim Einkauf unserer Betriebsmittel. Dazu müssen wir künftig gemeinsam mit unseren Handelspartnern neue Wege finden, beispielsweise Einkäufe zu einem anderen Zeitpunkt als den gewohnten tätigen oder Vorverkaufskontrakte nutzen. Deshalb muss der Austausch mit unseren Marktpartnern noch besser und schneller werden.“ Für Alexander Nergonewitsch, Geschäftsführer der AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH, sind gute Anstöße aus der Praxis wichtig: „Der kritische Blick unserer Kunden hilft uns, das Unternehmen entsprechend der Kundenanforderungen weiterentwickeln zu können. Wesentlich dafür ist eine regelmäßige Kommunikation, um Ideen auszutauschen und Herausforderungen gemeinsam zu lösen.“

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