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AGRAVIS aktuell


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Die gesamte Sonderausgabe der AGRAVIS-aktuell zu den DLG-Feldtagen 2012
AGRAVIS aktuell - Sonderausgabe zu den DLG-Feldtagen 2012

Strip-Tillage auf dem Prüfstand - Umfangreiche Streifenversuche sollen Erfahrungen mehren
Wenn es um Bodenbearbeitung und Aussaat geht, fallen schnell Schlagworte wie Schlagkraft, Dieseleinsparung und Arbeitsqualität. Pflugsaat, Mulchsaat und Direktsaat werden in der Praxis breit eingesetzt und bieten jeweils ihre Vorteile, aber auch manche Nachteile. Das neue System Strip-Tillage steht derzeit im Fokus, denn es bietet die Möglichkeit, die Vorteile der einzelnen Verfahren miteinander zu verbinden. Die AGRAVIS Raiffeisen AG testet in verschiedenen Versuchen die Praxistauglichkeit.
Ob Pflugsaat, Mulchsaat oder Direktsaat – jedes Verfahren hat positive, aber auch negative Seiten. Ziel ist es, möglichst viele Vorteile der einzelnen Verfahren zu verbinden, ohne zu viele Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Das in Deutschland noch relativ neue System Strip-Tillage (Streifenbearbeitung) könnte eine Lösung für diese Herausforderung sein.
In Mecklenburg-Vorpommern haben die Experten der AGRAVISPflanzenbau- Beratung Rapsbestände analysiert, die nach diesem System angebaut worden sind. Bei dem Verfahren wird nur der Streifen unter der Saatreihe tief gelockert. Die damit bestellten Bestände sahen sehr vital aus und standen den in Mulchsaat ausgedrillten Nachbarflächen in nichts nach. Einen positiven Einfluss konnte aber auch das abgelegte Düngerband haben, das unter der Saatreihe platziert wurde.

Raps, Zuckerrüben und Mais
Für die Pflanzenbau-Experten stellte sich die Frage, wo die Grenzen von diesem Verfahren liegen und wie das System auf nicht schüttfähigen oder tonigen Böden funktioniert. Um die Möglichkeiten, Vorteile und Nachteile des Strip-Tillage-Verfahrens kennen zu lernen, hat die AGRAVIS in diesem Jahr Versuche zu diesem Thema in der Region Hannover angelegt.
Folgende Erwartungen werden aufgrund der Vorgehensweise an das System gestellt:

  • höhere Schlagkraft durch Lockern, Düngen und Säen in einem Arbeitsgang
  • Schaffung eines gelockerten und vor allem strohfreien Wurzelraumes auch bei einem knappen Zeitfenster zwischen Getreideernte und Rapsaussaat
  • tiefe Lockerung direkt unter der Saatreihe für einen raschen, optimalen Wurzeltiefgang
  • Kraftstoffeinsparung, da nur eine Teilfläche des Bodens bearbeitet wird
  • Möglichkeit der Unterfußdüngung in tiefere Bodenschichten zur gezielten Düngung, in Abhängigkeit vom Bedarf des Bodens und der Kultur
  • Ausnutzung der Attraktionswirkung von Nährstoffen wie Phosphor oder Ammonium zur Lenkung des Wurzelwachstums in tiefere Bodenschichten
  • weniger Unkrautdruck, da weder Licht- noch CO2-Reiz die Unkrautsamen zum Keimen anregen
  • gute Befahrbarkeit der Flächen in den Zwischenräumen.

Die angelegten Streifenversuche sollen zeigen, ob sich die Erwartungen erfüllen und welche Probleme auftauchen können. In den Kulturen Winterraps, Zuckerrübe und Silomais werden hauptsächlich Strip-Tillage und Mulchsaat sowie verschiedene Unterfußdünger verglichen. Aber auch Applikationszeitpunkt und Platzierung der Unterfußdünger sind Bestandteile der Versuche.

Rascher Feldaufgang
Die wichtigste Aussage, welchen Ertrag die Ernte bringt, liegt noch nicht vor. Dennoch können bereits vor der Ernte stichhaltige Erfahrungen und Boniturergebnisse zusammengetragen werden. Bereits bei der Aussaat bestätigten sich die erwartete hohe Schlagkraft und der geringe Dieselverbrauch.
Beim Raps konnte durch die Einzelkornablage im Strip-Tillage- Verfahren ein sehr gleichmäßiger und rascher Feldaufgang bonitiert werden. Die sich anschließende zügige Jugendentwicklung förderte die Ausprägung einer guten Winterhärte. Bei der Mulchsaatvariante lief der Raps eher verzögert auf und führte dadurch zu einem weniger homogenen Bestandesbild. Termine für Pflanzenschutz- und Düngemaßnahmen können demnach in der Einzelkornsaat präziser gesetzt werden. Weiterhin konnte in den Mulchsaatvarianten das Auflaufen von Altraps festgestellt werden, da die gesamte Fläche gelockert worden war. In den Strip- Tillage-Varianten hingegen war kaum Auflaufraps zu bonitieren.
Als sehr problematisch ist das Auftreten von Mäusen in der Streifenbearbeitung zu sehen. Hier wird der genannte Vorteil der teilweisen tiefen Lockerung des Bodens zum Nachteil. Die Gänge und Nester der Mäuse werden nicht ausreichend zerstört, so dass der Mäusebefall signifikant höher ist als in der Mulchsaat.

Bessere Wurzelausprägung
Das Ausgraben von einzelnen Rapspflanzen im November zeigte bei den Varianten mit Streifenlockerung eine bessere Ausprägung der Pfahlwurzel in die Tiefe. Anhand der Bildung von Feinwurzeln konnte die Lage und vor allem die Lockwirkung des Düngers sehr gut festgemacht werden. Blattanalysen kurz vor Vegetationsende unterstrichen die Unterschiede im Wurzelwachstum.
Die Rapspflanzen aus den Strip- Tillage-Varianten wiesen für die meisten Nährstoffe einen absolut höheren Gehalt aus als in der Mulchsaat. Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass der Raps in der Streifenlockerung durch sein besser ausgebildetes Wurzelwerk mehr Bodenraum erschließt und somit Wasser und Nährstoffe auch aus dem unteren Krumenbereich und somit in größeren Mengen aufnehmen kann. Gerade in Trockenphasen verspricht diese Entwicklung Vorteile.
Letzte Maßnahmen vor der Ernte werden das Ziehen von Pflanzenproben und das Bonitieren des Schotenansatzes in den einzelnen Varianten sein. Durch das Ernten der Parzellen im Kerndrusch wird abschließend das wichtigste Ergebnis, der Ertrag, geliefert.
Die Zuckerrüben wurden Ende März ausgesät, der Silomais Ende April. Auch diese Versuchsflächen werden intensiv begleitet, um abschließend auftretende Unterschiede im Ernteergebnis sachlich und fachlich erklären zu können. Im Rahmen von Feldbegehungen mit Landwirten aus der Region werden die Versuchsflächen von Anfang an als Diskussionsgrundlage und zum fachlichen Austausch von Erfahrungen und Meinungen genutzt.

Info: Details zum Strip-Tillage-Verfahren erhalten Sie bei der Pflanzenbau- Beratung, Arne Klages, unter Tel. 015201 . 810283, und Christian Carl, Tel. 0172 . 5303459.

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